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Holger im Mannheimer Morgen

Mannheimer Morgen vom 14. Oktober 2021 von Volker Endres

Vom Junkie zum Extremsportler

Der Mannheimer Holger Gremmers war mehr als ein Vierteljahrhundert abhängig. Heute legt der 53-Jährige bei Läufen mehr als 200 Kilometer zurück.

Mannheim. „Was ihr macht, ist kein Leben“ – das würde Holger Gremmers am liebsten allen Menschen sagen, die Drogen nehmen. Der 53-jährige Mannheimer weiß, wovon er redet. Mit 16 begann seine Rauschgiftkarriere, sie sollte erst mach über einem Vierteljahrhundert zu Ende gehen. Seit zehn Jahren ist Gremmers nicht nur clean, sondern Extremsportler. Bei seinem letzten Lauf hat er exakt 206 Kilometer und 10.000 Höhenmeter zurückgelegt.

Dieser Weg war nicht unbedingt vorgezeichnet. Früher hatte Gremmers für Sport nicht sonderlich viel übrig gehabt. „Wenn ich druff war, habe ich mir das höchstens im Fernsehen angeschaut“, sagt er und muss ob der Erinnerung an seine Vergangenheit lachen. Der ist Gremmers mittlerweile förmlich davongelaufen und hat sie weit hinter sich gelassen. Viel weiter, als es der mehr als 200 Kilometer lange Lauf „L’Infernal“ Ende September in den Vogesen mit ausdrücken könnte. Rund 44 Stunden hat er dafür gebraucht. Minuten oder gar Sekunden spielen bei dieser Strecke eine eher untergeordnete Rolle.

Gremmers war zufrieden mit sich. „Ich wollte zwischen 40 und 50 Stunden laufen“, sagt er. Geschlafen hat er in dieser Zeit nicht. „Ich habe nur mal knapp eine Viertelstunde gedöst.“ Eine Entziehungskur, die er im Rahmen einer Haftstrafe 2009 angetreten hatte, brachte die Wende. „Dort konnte man auch viel Sport treiben“, erzählt Gremmers. Im Schwarzwald war das, in der Nähe von Calw. „Es gab es einen Fünf-Kilometer-Lauf, auf den wir hintrainiert haben.“ Aus den fünf wurden zehn Kilometer, daraus der erste Marathon und schließlich die Extremläufe. „Diese Energie ist einfach in mir drin. Jetzt ist Laufen meine Sucht“, so der 53-Jährige. Und er hat die Vergangenheit nun immer mit dabei: Auf seinem Trikot prangt künftig auch der Schriftzug des Mannheimer Drogenvereins.

Dessen Geschäftsführer ist inzwischen Philip Gerber. Begonnen aber hat er vor vielen Jahren als Streetworker und Sozialarbeiter. Und lernte dabei Holger Gremmers kennen, begleitete den Süchtigen über viele Jahre. „Es war wohl eine Gerichtsauflage“, hat Gerber keine genaue Erinnerung mehr an das erste Treffen, wohl aber an die Person. „Er war nie ein typisches Mitglied der Drogenszene.“

Tatsächlich ging der gelernte Drucker Gremmers auch während seiner Sucht immer einer geregelten Arbeit nach. „Das war mein Selbsterhaltungstrieb“, sagt der Athlet heute. Das habe lange funktioniert, weil das Umfeld – Eltern und Arbeitgeber – ihn unterstützt hätten – „auch noch nach der ersten Verhaftung.“ Die habe aber noch nichts bewirkt. Statt einer Gefängnisstrafe ordnete das Gericht einen Drogenentzug an. „Aber selbst dort ist man an das Zeug gekommen.“

Besser wurde es erst nach abermaligen Vergehen 2009 – in Haft. Gremmers erinnert sich an seinen Wegbegleiter vom Drogenverein. „Ich habe ihn gefragt, ob der Verein mit auf das Trikot will.“ Philipp Gerber sieht es eher so, „dass Holger uns sponsort“. Immerhin sei der Läufer auch für andere Abhängige ein Beispiel, dass der Absprung in ein drogenfreies Leben gelingen kann. Ein solche führt Gremmers seit nunmehr zehn Jahren. Ich denke nie mehr daran, dass ich wieder etwas nehmen könnte“, sagt er. Im Gegenteil. Er lehnt alle Substanzen in seinem Körper ab.

„Als ich 2016 einen schweren Fahrradunfall hatte, wollte ich nicht einmal Schmerzmittel nehmen. Ich hatte Angst, davon wieder süchtig zu werden“, so Gremmers. Das sportliche Fahrradfahren gab er auf. „Triathlon war sowieso nie etwas für mich. Das ist schon am Schwimmen gescheitert“, erklärt der Mannheimer. Bleibt das Laufen. Und dem bleibt Gremmers mit ungebrochener Leidenschaft treu. „Ich laufe jeden Samstag 50 Kilometer, und sonntags dann noch einmal 30 oder 60.“ Die Strecke sei dabei fast egal.

Beim Pfalz-Trail über 80 Kilometer habe er sich einmal verlaufen.“ Er sei dann erst nach 90 Kilometern ins Ziel gekommen. Spaß hat es ihm trotzdem gemacht. Gremmers will die Lust am Laufen nicht nur seiner Läufergruppe aus Seckenheim (www.laufseggenelauf.de) weitergeben, sondern auch der Mannheimer Ortsgruppe des Deutschen Alpenvereins bei geführten Aktivitäten in der Pfalz und im Odenwald. Ganz zur Freude von Philip Gerber: „Es ist nicht alltäglich, dass jemand überhaupt den Ausstieg schafft. Aber mit Sport als Hilfe kann vielen gelingen“, sagt er.

73,9 km auf dem Rennsteig

2.-3.OKTOBER 2021 GUTSMUTHS RENNSTEIGLAUF

Supermarathon 73,9 km

Anstiege gesamt: 1.874 m
Abstiege gesamt: 1.386 m
Höhendifferenz: 3.260 m

Start in Eisennach um 06.30 Uhr…..das sind die nackten Zahlen…und ich hatte noch eine Rechnung offen….es war inzwischen der 3 Start bei dem Supermarathon und das letzte Mal musste ich bei 38 km wegen Schmerzen in dem Hüftbereich das Rennen vorzeitig beenden …     L

Der Start erfolgte auf dem Marktplatz in Eisenach (215 m NN) um 6.30 Uhr in Gruppen von jeweils 20 Läufern. Am Stadtrand folgt ein langer Anstieg bis man auf den Rennsteig trifft. Auf dem Waldweg geht es vorbei an der „Moosbacher Linde“ (352 m), der Weinstraße“ (445 m) und dem „Marienblick„. Eine tolle Atmosphäre herrschte aufgrund der am Waldweg aufgestellten Autos und Lichter, die den Weg im Dunkeln beleuchteten. Nach 7,4 erreichte man den Rennsteig in einer Höhe von 445 m NN. Nun geht es auf dem Rennsteig entlang an der Schutzhütte „Zollstock“ (527 m), über das „Ruhlaer Häuschen“ (629 m), Bergwachthütte (14,9 km / 665 m) und „Glöckner-Ehrenmal“ zur „Glasbachwiese“ (18,0 km / 647 m). Es folgen der Anstieg zur „Hirschbalzwiese“, die „Dreiherrenstein“ (20,6 km / 740 m), über den „Großen Weißenberg“ folgt ein kurzer Abstieg zur „Brotteröder Hütte“ (720 m) und dann der steile Anstieg über knapp 2,5 km über den „Oberen Beerberg“ (830 m) zum „Großen Inselsberg“ (25,5 km / 916 m). Vorsicht war beim Abstieg geboten! Auf nur 1,3 km geht es einige Treppenstufen und einen steilen Weg bergab auf 725 m zur „Grenzwiese“ (26,8 km).

Mit geringen Höhendifferenzen ging es weiter zum „Heuberghaus“ (30,9 km / 690 m) und über den „Spießberg“ (748 m) zu dem „Possenröder Kreuz“ (33,6 km / 700 m). Halbzeit auf der „Ebertswiese“ (37,5 km / 720 m). Mehr als die Hälfte der Strecke war geschafft … und hier war ich damals – in einem andern Leben ausgestiegen-.

Gestärkt nimmt man dann die nächsten Anstiege in Angriff. Zunächst hinauf zum „Glasberg“ (760 m), wieder hinab zur „Alten Ausspanne“ (742 m) und wieder hinauf zum „Nesselberg“ (747 m). Über einen kurzen Abstieg zum Rennsteighaus erreicht man bei 40,9 km über die teilweise steilen Aufstiege „Krämerod“ (765 m), Sperrhügel (869 m) und „Schmalkalder Loipe“ (881 m). Weiter geht es über den „Wachsenrasen“ (815 m) zur Getränkestelle „Gustav-Freytag-Stein“ (51,3 km / 876 m), mit Richtung Oberhof! Die Querung der Rollerstrecke wirft erste Schatten auf das Wintersportmekka am Rennsteig. Bei Kilometer 54,0 erreicht der Supermarathoni den „Grenzadler“ (842 m). Hier erfolgt eine Zwischenzeitnahme. Die Möglichkeit des Ausstieges mit Zeitnahme ist hier gegeben ….hier hatte ich noch den Traum bei 8 Std. und 11 Minuten, den Lauf unter 11 Stunden zu absolvieren … ab hier ruft aber das schönste Ziel der Welt …

Der Läufer hat nun noch knapp 20 Kilometer zu bewältigen ….muss doch machbar sein – unter 11 Stunden … 20 km??? An Oberhof vorbei ging es über den „Stein 16“ (889 m) zum „Rondell“ (826 m). Für alle steht ab hier der Anstieg zum Großen Beerberg, der mit seinen 980 m der höchste Punkt des Thüringer Waldes ist, bevor … und da war meine Zeit futsch ;-). Vom Rondell aus ging es zur „Sommerswiese“ (58,9 km / 855 m) und über eine kurze steile Rampe hinab folgt man dem Rennsteigskiweg bis zur „Suhler Ausspanne“ (922 m), bevor es dann zum höchsten Punkt der Strecke (62,2 km / 974 m), unterhalb des Gipfels des Großen Beerbergs, ging.

Den Abstieg vom Großen Beerberg hinunter und hinauf auf den Rosenkopf (938 m), zur letzten Verpflegungsstelle „Schmücke“ (65,0 km / 916 m) und zur letzten Getränkestelle „Kreuzwege“ bzw. „Bierfleck“ (69,3 km / 822 m). Dem Namen entsprechend erhält man am „Bierfleck“ erfrischendes Köstritzer Schwarzbier, auch eine Besonderheit beim Rennsteiglauf, der dann für das letzte Stück noch einmal Energie ga.vielleicht hätte ich etwas mehr trinken müssen   ;-).

Das Ziel ist dann nicht mehr weit. Über den „Skilift am Eisenberg“ hat der Läufer den besten Blick über Schmiedefeld und man bereits den Trubel vom Sportplatz hören. Mit einer herzlichen Gastlichkeit, Beifall, Jubel und den Ansagen der Zielsprecher wird man im Ziel von Einheimischen, Gästen, Begleitern empfangen. 73,9 Kilometer von Eisenach bis Schmiedefeld sind geschafft. Auch wenn ich weit vom ersten Platz entfernt bin (Siegerzeit 5:32 Std), bin ich mit meinen 11 Std. 08 Minuten gefühlt auch wieder ein Sieger – denn jeder Rennsteigläufer und besonders die, die diese Strecke bewältigt haben, können sich als Sieger fühlen … und nächstes Jahr? … verzichten auf Bratwurst, Haferschleim, Bier, tolle Betreuung und das Gefühl, wenn man es schafft … glaube nicht 😉

44 h, 206 km, 10.000 hm

Bericht von Holger, was auf so einer Strecke alles passiert:

L`Infernale

Ein Lauf durch die Vogesen mit 205 km und 10.000 Höhenmeter im Anstieg und fast alles auf schweren teils alpinen Singletrails. Bei einigen Bergnamen wie Ventron, Ballon d Alsace, Grand Ballon bekommt man schon harte Oberschenkel wenn man sie nur hört.

In der Nacht um 0:00 Uhr wird pompös gestartet mit einem riesigen Feuerwerk und einer gigantischen Show. Man muss schon aufpassen, damit man nicht beim Start zu schnell angeht. Es ging gemütlich los … erst mal alle laufen lassen, ein Ultra ist noch lang.

Bald schon kamen die Stöcke zum Einsatz – wie immer in den Vogesen 30% vertikal nach oben und übles Gelände.

Nach 20 40 km kamen die ersten Versorgungen. Bei 40 km gleich einen Kaffee getrunken. Es war die ganze Nacht sehr warm gewesen zwischendurch tröpfelte es ein wenig. Mein Shirt war klitschnass von der hohen Luftfeuchtigkeit. Nach dem Kaffee kam das Tageslicht zurück und man konnte die Stirnlampe einpacken.

Bei 56 km war mein Drop Bag und da konnte ich die Schuhe und Klamotten wechseln. Aber zuvor ging es eine Ski-Wiese hinab, wo alle hinunterrutschten und hinfielen. Ich bin gleich 3x hingeflogen. Unten wartete Meine süße Peijin auf mich und nahm mich in Empfang.

Jetzt hieß es den Tank auffüllen Alkoholfreies Bier, Red Bull, Kaffee, Pasta, Suppe. Schuhe, und Socken wechseln ein neues Laufshirt und Armlinge. Dann noch Uhr und Smartphone kurz laden. Denn Laufrucksack klarmachen und wieder raus auf den Höllenpfad der Vogesen.

Da waren schon 10 Stunden vergangen, aber wie gesagt, es ist ein Ultra und man muss gerade bei diesem sich etwas Zeit nehmen. Ich lief mit meinem Freund Martin Stortz von der LG Geroldseck weiter. Nicht lange und wir kamen am Fuße des Ballon d Alsace an. Ab da ging das Rennen erst los.

Stöcke raus und Tempo beibehalten – so ging es hoch und wir überholten etliche Läufer, die uns zuvor überholt hatten. Am kahlen Ballon oben wehte ein kühles Windchen. 78 km und knapp 4000 Hm waren geschafft. Mein Freund Martin kam kurz hinter mir an und hatte Magen Probleme. Peijin gab ihm Haferflocken und die Verpflegung heißes Wasser. Ich versorgte mich mit Suppe, Kaffee und mit weißem Joghurt.

Danach kam ein übler Streckenabschnitt bis nach Rimbach. Zwar ging es runter aber alles mit Geröll und Stufenartig mit Serpentinen und zwischendurch im Downhill vertikal. Unten angekommen – wie sollte es anders sein – ging es schon wieder hoch. Wir kamen noch an zwei Seen vorbei und an einer herrlichen Landschaft. Auch felsig wurde es wieder, bevor wir Rimbach erreichten. Mein Freund Martin musste dort leider wegen Achilles-Problemen aussteigen. Peijin nahm ihn im Auto mit zur nächsten Versorgung nach St. Amarin.

Nun musste ich mich beeilen, um noch im Hellen in St. Amarin anzukommen. Das funktionierte hervorragend, 19:00 Uhr kam ich an. Die Hälfte war geschafft mit 103 km und knapp 5000 Hm.

Im Downhill vom Belacker nach St. Amarin legte ich einen Zahn zu und überholte jede Menge Teilnehmer auch die beiden führenden Frauen. In der Verpflegung schlürfte ich eine Suppe mit gekochtem Schinken und Apfel Kompott, gemischt mit Bananen. Meine Schuhe zog ich mal aus, um mir die Füße zu vertreten. Peijin füllte meine Trinkflaschen auf und versorgte mich mit Kartoffeln, die ich unterwegs immer zu mir nahm. Martin wünschte mir noch viel Glück, er saß noch im Auto. Peijin verabschiedete ich noch und dann auf in die Nacht. Hinauf zum Grand Ballon.

Oben angekommen war es übel kalt, Wind, Regen, Nebel. In der Versorgung die Regenjacke angezogen und dann über normalerweise sehr schöne Trails mit herrlicher Aussicht, an der Route des Cretes entlang. Aber es war Nacht und durch den Nebel blendete die eigene Stirnlampe.

Erst am Le Markstein überquerte man die Straße und man konnte wieder mehr erkennen. Jetzt kam schon gleich die nächste Verpflegung die Treh. Eine Berghütte wo Peijin sich durchkämpfte mit dem Auto und wo wir in einem Schweinestall saßen und ich meine Suppe, Kaffee und einen Joghurt schlürfte. Großartige Menschen, die die Verpflegung am Leben hielten, es war kurz vor Mitternacht. Die Schweine übrigens lagen aneinander und schliefen.

Wahnsinnig langer Downhill hinunter, bevor es, man glaubt es kaum, auch mal 3-4 km flach wurde. Aber dann kam ein zweites Mal der Ventron und der ließ keine Wünsche offen. Man dachte man läuft im Kreis immer wieder Geröll, wo man nicht vorwärtskam und immer so ähnliche Passagen, die einem wahnsinnig machten. Immer wieder glaubte ich es wäre geschafft und ich käme oben an. Doch dann sah ich das Ski Resort bzw. die Beleuchtung und meine Peijin hatte es auch geschafft. Jetzt war es kurz nach 04:30 Uhr bei 136 km und 6.600 Hm.

Der Drop Bag stand bereit und ich zog mich komplett um. Peijin machte meinen Laufrucksack klar. Ich legte mich 10 min hin. In der Zeit lud mein Handy und meine Uhr, Radler, Red Bull, Kaffee trank ich noch. Pasta gab es noch, bevor es wieder losging. An dieser Station sind einige ausgestiegen. Auch schwere Fälle mit Zusammenbrüchen und Verletzungen wurden behandelt.

Langsam wurde es hell. Das nächste Ziel waren die 150 km mit 7.100 Hm am Col des Hayes die ich zum zweiten Mal anlief, aber diesmal Retour. Dort versorgte mich nur Peijin mit Red Bull und Gels. Fast geschafft sagte sie nur noch ein üblicher Trainingslauf von 50 km. Jetzt hast du es geschafft. Dann kam nur ein kurzer Abschnitt mit 9 m zur nächsten VP.

Dort kam mir Peijin schon entgegengelaufen und verkündete mir, dass dort Anwohner eine Schüssel mit Suppe und richtig vielen Nudeln für Holger bereitgestellt hatten. War absolutes Highlight sehr nette Geste. Beim Verlassen der VP kam der erste von den 122 km rein, die 24 Stunden später gestartet sind. Wahnsinnig schnell überholte er mich am folgenden Bergauf Stück mit Seilen in der Felswand. Er hatte sogar noch ein paar Sprüche auf Lager.

Jetzt kam der Regen. Sehr starke Schauer da half nur die Regenjacke aber die Singletrails standen unter Wasser und die Füße waren klitsch nass. Dazu kamen noch Halluzinationen vom feinsten: Auto, Wohnmobile, Häuser standen mitten am Berg zwischen den Bäumen und Menschen um mich herum. Bei Schlafentzug passiert sowas man muss es halt bloß wissen.

Bei Julian Rupt 174 km und 8.150 Hm schien schon wieder die Sonne und die Klamotten waren trocken. Dort nur kurzer Aufenthalt und weiter. Die letzten 31 km. Jetzt kam ein Abschnitt mit 16 km und immer wieder 30% Prozent Steigungen zwar nicht mehr so lange wie die letzten 37 Stunden aber am Ende tun 30% richtig weh. Gels, Gels hielten mich über Wasser an den Kletterstellen der zwei Wasserfälle, die sehr übel und gefährlich waren, so empfand ich es.

Die letzte Versorgung bei 189 km und 8.900 Hm war eine Erlösung. Ich war kreidebleich und musste Gels, ein Alkoholfreies Bier, Suppe zu mir nehmen. Die Socken nochmal wechseln kurz sitzen und am Schluss noch Cola zu mir nehmen damit ich die letzten 17 km schaffe.

Sehr steil wurde es noch auch im Downhill vertikal. Und immer kam mir alles bekannt vor, als ob ich dort schon gelaufen bin. War aber nicht so, hatte ich das geträumt???

Ich konnte am Ende sogar noch einen Platz in der Gesamtwertung gut machen.

Dann kamen die letzten 2 km, wo man schon die Musik im Stadion hörte, absolut tolles Gefühl. Peijin fing mich am Eingang vom Stadion ab und begleitete mich die letzten Meter zur Ziellinie. Dann war es geschafft nach 206,4 km und 10.000 Hm mit einer Zeit von 43:57 Std. Mit dem 19. Gesamtrang und dem 2.Platz in der Altersklasse. Ja zweiter Deutscher war ich noch.

Am Ende kamen 86. Läufer von 170. Gemeldeten ins Ziel. Es ist ein Lauf, der alles abverlangt.

Wieso mach ich so etwas, werde ich oft gefragt, vielleicht weil ich an meine Grenzen kommen möchte?? Der Höllenpfad der Vogesen hatte mich fast dort hingetrieben, fast.

Danke an meine Peijin die mich sehr stark versorgte und mich Antrieb und alle mit Fotos versorgte.

Auch an alle die Live mitfieberten.

Danke Schön. Es geht weiter mit 240 km im nächsten Jahr.

10. PfalzTrail am 19. September 2021 im Leiningerland

Nach den Corona-Einschränkungen im gesamten Jahr, endlich mal wieder ein „Präsenswettbewerb“ mit vielen Läufern und Zuschauern … da war ich als Vorbereitungslauf für den Rennsteig (2 Wochen) später doch glatt dabei 🙂

„Lichte Wälder, dunkle Täler oder enge Schluchten – aber auch traumhafte Aussichtspunkte. Eine anspruchsvolle Strecke zwischen Kiefern und Buchen, in Mischwäldern oder durch Weinberge …
Der Reiz von Trailläufen in den Mittelgebirgen liegt in den ständig wechselnden (Wald)landschaften und ein Singletrailanteil von ca. 40% (!) … hört euren Atemrhythmus bei langgezogenen Anstiegen, spürt euren Willen und eure Kraft – werdet eins mit der Natur und genießt sie!

… so wird der Pfalztrail u. a. mit 36 km und 780 Höhenmeter vom Veranstalter beschrieben … und was soll ich sagen/schreiben … so ist es auch – es ist ein absolutes Trailerlebnis und unvergessliches Abenteuer … daneben wurde auch an die Flutopfer in der Region Ahrweiler gedacht und ein großer Spendenscheck vom Veranstalter übergeben …

1.300 Läufer nahmen die Herausforderung zu unterschiedlichen Strecken dankbar an … und es stimmte alles …, das gute Lauf-Wetter, die herzlichen Helfern, die motivierenden Zuschauer sowie die gut organisierte Zufahrt zu dem neuen Start- und Zielareal auf dem Sportplatz Carlsberg.

Der neue Start- und Zielbereich hatte es dann auch in sich … erst startet mit einem langgezogenen Singletrail bergab … und vergisst dabei, dass nach 36 km ständig wechselnden Anstiegen die letzten km nochmals alles von einem abfordern, um langgezogen bergauf ins Ziel zu gelangen.

Fazit: Tolles Lauferlebnis – komme sehr gerne im nächsten Jahr wieder … ach ja, meine Zeit und Platzierung … unwichtig, es waren tolle 36 km 🙂

Erster Lauftreff 2021

Endlich wieder Lauftreff. Im Moment geht ein Treffen nur auf Sportanlagen und mit Test. Aber das kann uns nicht davon abhalten, loszulegen.
Der erste Lauftreff in diesem Jahr war auf der Otto-Bauder-Anlage. Mit Laufen über das gesamte Gelände und Lauf-ABC mit bloßen Füßen auf dem Rasen hatten wir gemeinsam Spaß.

Ersatz-Dämmermarathon

Heute, am 08. Mai 2021, würde normalerweise der Mannheimer Dämmermarathon stattfinden. Für unseren Lauftreff immer ein großes Event nach Wochen harten Trainings. Nun muss leider schon das zweite Jahr jeder für sich laufen.
09:04 Uhr starteten wir für verschiedene Streckenlängen, jeder für sich oder zu zweit.


In den nächsten 4 Stunden waren wir auf den Feldwegen zwischen Umgehungsstraße, Maimarkt und SAP unterwegs. Später stiegen noch weitere Läufer ein. So wurde sogar der Marathon recht kurzweilig. Immer wieder begegnete man einem Lauftreffler – jedes mal ein kleines Highlight nach so langer Zeit einsamer Läufe. Sogar Pacemaker stellten sich zur Verfügung 🙂
Der Ersatz-Marathon war ein voller Erfolg, wir hatten Spaß und jeder freute sich über das Erreichen seines Zieles.

Clara unterwegs bei ihrem Halbmarathon, unterstützt von Gesine.
Hartmut war von der guten Stimmung auf der Strecke so motiviert, dass er kurzerhand einen Halbmarathon lief.
Geschafft, Rüdiger schon glücklich im Ziel.
Verdiente Erholung für Agnes nach ihrem ersten Halbmarathon.